Die E2E-verschlüsselte Messaging-App Signal droht damit, sich aus Kanada zurückzuziehen, falls das Land das vorgeschlagene Gesetz Bill C-22 durchsetzt, das Unternehmen zur Kompromittierung der Nutzer-Privatsphäre verpflichten könnte. Das Gesetz würde Telekommunikationsunternehmen, Internetfirmen und andere elektronische Dienstleister verpflichten, Überwachungsfähigkeiten für Polizei und den kanadischen Nachrichtendienst CSIS bereitzustellen. „Core Provider“ müssten Metadaten bis zu einem Jahr speichern (nicht Inhalte, aber Informationen über Kontaktnetzwerke und Standortdaten). Darüber berichtet die kanadische The Globe And Mail.
Signals Position
Diese verdeutlichte Udbhav Tiwari, Vizepräsident für Strategie bei Signal: Er erklärte, das Unternehmen lieber Kanada verließe, als die Privatsphäre-Versprechen gegenüber Nutzer:innen zu brechen. Das Unternehmen sähe das Gesetz als Bedrohung für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Signal warnt, dass Änderungen an ihren Systemen nach Bill C-22 private Messaging-Dienste zu Zielen für Cyberangriffe machen könnten. Tiwari betonte: „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist unvereinbar mit außergewöhnlichem Zugriff.“
Selbst Meta (WhatsApp) warnte der The Globe And Mail nach, das Gesetz könnte private Firmen zum „Arm der staatlichen Überwachungsapparatur“ machen.
Regierungsposition
Die kanadische Regierung sieht das ganz anders: Public Safety Minister Gary Anandasangaree beschreibt das Gesetz als „verschlüsselungsneutral“. Sprecher Simon Lafortune habe betont, es sei nicht geplant, Überwachungsfähigkeiten zu erzwingen: „Wir möchten Signal und allen Dienstanbietern versichern, dass wir nicht legislativen Zwang vorsehen, der sie dazu verpflichtet, Fähigkeiten zur Überwachung zu installieren, und alle gegenteiligen Behauptungen sind falsch.“
Andere Sichtweisen:
Matt Hatfield, Direktor von OpenMedia, einer gemeinnützigen Organisation: „Signal, WhatsApp und andere verschlüsselte Messaging-Dienste könnten eindeutig unter die Bill C-22 fallen, basierend auf dessen derzeitiger Definition von elektronischen Dienstanbietern. Ein zukünftiger Minister für öffentliche Sicherheit könnte ihnen Anordnungen erlassen, die sie verpflichten, Nutzer:innenmetadaten aufzubewahren.“
Michael Geist, Canada Research Chair für Internet- und E-Commerce-Recht und Professor an der Universität Ottawa, sagte, dass er erwarte, dass private Messaging-Dienste zu einem besonders wertvollen Ziel für Strafverfolgungsbehörden würden, falls das Gesetz in Kraft trete, unter anderem, um Metadaten zu erhalten.
Datenschatz Metadaten
Zur Erinnerung, was Metadaten erfassen: Wer kommuniziert mit wem, wann, wie lange, von welchem Gerät und Standort aus, über welche IP‑Adressen/Netzwerke, welche Dateitypen mit welcher Größe wurden gesendet, welche beteiligten Konten/Telefonnummern und welche Geräte‑ und/oder App‑IDs? Daher sind Metadaten oft wertvoller als die eigentlichen Inhalte der Kommunikation, die durch Metadaten nicht erfasst werden.
[https://www.theglobeandmail.com/politics/article-signal-warns-it-would-pull-out-of-canada-if-made-to-comply-with-lawful/]